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Arthur-
Zelger-
Preis

Jury-Sitzung auf die Ferne

Irgendwann hat man jetzt dann alles durch: digitale Vorstellungsgespräche, Vorträge, Diskussionen, Präsentationen und Jury-Sitzungen. Hier für den nächsten »Arthur-Zelger-Preis«. Lustig nicht nur, wie man sich an dieses Format (und das Reden mit seinem Monitor) gewöhnt hat, sondern auch an diese Bilder davon. Verraten werden darf natürlich noch nichts, aber am 30. Juni ist in Innsbruck die Verleihung. Mit einer schönen kleinen Veranstaltung. Seit langem wieder. Wahrscheinlich … Respekt auch (und wieder) vor dem WEISSRAUM für die Initiative und Organisation, aber gleichermaßen vor der Tirol Werbung und der Landesregierung, dass sie dieses Thema Ernst nehmen und sich so dafür engagieren.

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Nachhaltigkeit und Design

Hier das Interview aus der PAGE Ausgabe 06.21

Für Andreas Koop, Gründer von designgruppe koop in Marktoberdorf, ist die nachhaltige Ausrichtung seines Büros weniger strategische Überlegung als vielmehr persönliche Überzeugung. 


Wie definieren Sie für Ihr Büro das Thema Nachhaltigkeit? 
Andreas Koop: Es geht darum, die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit, Ökonomie, Gesellschaft und Ökologie, bestmöglich auszutarieren. Nachhaltigkeit beginnt nicht bei Recyclingpapier und grünem Strom und endet erst recht nicht dort. Den gleichen Mist mit Ökostrom zu produzieren und in Kartons aus Altpapier zu verschicken macht nicht viel Unterschied. Es wäre die zentrale Aufgabe von Politik und Gesellschaft, den Primat der Ökonomie zu brechen. Leider fehlt in der Regierung – als rahmensetzende, höchste Ebene – dazu jede Motivation, Kompetenz, Konsequenz und Fantasie. So ist jeder Einzelne gefordert, das Seine zu tun. Egal, ob unbequem, anstrengend oder sonst etwas. 

Was können Kreative tun? 
Wir versuchen bei unseren Gestaltungsaufgaben immer, alle drei Nachhaltigkeitsdimensionen auf den Tisch zu bringen und zu diskutieren, Chancen darin zu sehen und das Ganze im Blick zu haben. Ein weiterer, gerne vergessener Aspekt von Nachhaltigkeit ist übrigens Barrierefreiheit. Barrieren abzubauen ist eine wahrlich gesellschaftsrelevante Aufgabe. 

Gehen die Kunden den von Ihnen eingeschlagenen Weg mit? 
Ja, es gibt einige, die froh sind, wenn man kritisch hinterfragt – aber auch konstruktiv Vorschläge einbringt. Das geht mal schneller, mal langsamer, aber es geht. Wir müssen den richtigen Zeitpunkt erwischen und darauf achten, nicht asketisch-ideologisch-starr aufzutreten, aber uns auch nicht allzu sehr zu verbiegen. Was es braucht, ist gegenseitigen Respekt. Wenn es nicht passt, kann Geld kein Ersatz dafür sein. 

Aber Geld verdienen müssen Sie ja auch. 
Geld ist eine schöne und praktische Sache, aber eben Mittel, nicht Zweck. Mir ging es nie darum, mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Geld zu verdienen. Ebenso sehe ich Wachstum als eventuelle Folge, nicht als (Selbst-)Zweck – diese Haltung vertrete ich auch bei Beratungsmandaten. Mir ist der Zen-Buddhismus näher als die Betriebswirtschaftslehre. 


Dann werden ja einige Unternehmen oder Marken für Sie als Kunden nicht infrage kommen. Wo ziehen Sie die Grenze? 
Da gibt es für uns eine einfache Regel: Wenn wir die Produkte und Dienstleistungen eines Kunden selbst gerne essen, verschenken, fahren, ausleihen, kaufen, darauf sitzen … würden, wollen wir auch gerne für ihn arbeiten. 


Ist es wirklich so einfach? 
Im Prinzip schon. Natürlich bin auch ich froh, dass es so etwas wie Aspirin gibt. Aber das heißt ja nicht, dass ich für die Chemieindustrie gestalterisch und beratend tätig sein muss. Ich möchte meine Zeit und meine Energie für Kunden nutzen, die selbst ehrlich und redlich arbeiten und mehr als ihren eigenen Erfolg vor Augen haben. Wo eben die Worte nicht immer größer sind als die Taten. 


Aber ist es denn nicht sinnvoll, dass Kreative auch andere Unternehmen in ihren Nachhaltigkeitsbemühungen unterstützen? 
Bestimmte Branchen und Werte schließen sich praktisch aus. Bei Chemiekonzernen, die Pestizide produzieren, hilft auch kein Nachhaltigkeitsbericht. Oder die Lufthansa: Als AG ist sie per Gesetz dem Wohl der Aktionäre verpflichtet, nicht dem der Umwelt. Ein Mehr an Ertrag und Gewinn wird nur über ein Mehr an Fliegenden erreicht. Eine Farce sind unsere Automobilhersteller, die sich mit Nachhaltigkeitssprüchen überbieten und ihr Geld mit absurden SUVs verdienen. 


Viele Nachhaltigkeitsinitiativen von Unternehmen sind inzwischen durchaus ernsthaft. Wie kann man als Gestalter die erkennen, die trotz allem Greenwashing betreiben? 
Ich denke nicht, dass viele Unternehmen den Aspekt Nachhaltigkeit wirklich ernst nehmen und in der Konsequenz dafür auf Wachstum und Gewinn verzichten. Insofern behaupte ich, es gibt ein paar weiße Schafe in einer riesigen schwarzen Herde. Verbogenes, wohl kalkuliertes Marketing zu erkennen ist im Grunde für niemanden allzu schwer. Genau wie jeder weiß, der es wissen will, welche Konsequenzen es hat, wenn ein Kilo Fleisch zwei Euro kostet. 


Könnte die Verpflichtung zu mehr Transparenz aufseiten der Unternehmen Abhilfe schaffen? 
Transparenz ist weder Allheilmittel noch ein wirklich anzustrebendes Ziel – es ist ein leider notwendiger Ersatz für fehlendes Vertrauen. Sie möchten Ihrem Mann (Ihren Mitarbeitern, Freunden …) doch auch lieber vertrauen und nicht alle seine E-Mails, SMS, Webverläufe und Navi-Einträge dauernd einsehbar haben. Transparenz braucht es in einer Welt, in der – wie in der Politik offenbar der Fall – alle mehr an sich denken als an die anderen. Ich erwarte und erhoffe mir von meinen Kunden Ehrlichkeit und Vertrauen. Was sie von mir auch erwarten können. Das ist jenseits von Marketing und Governance. 

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Irgend etwas passt da nicht mehr

Tja, es ist so eine Sache mit den technischen Möglichkeiten – und der Natur. Auch die der Menschen. Die halt über eine allzu lange Zeit entstand und alleine in den letzten zwei Jahrzehnten quasi überrollt und überrannt wurde. Weil so viel geht. Technisch zumindest. Hochleistungs-Computer in der Hosentasche, Sensoren die nichts mehr kosten und alles können – plus der Zusammenführung dieser Daten. Ob man will oder nicht, ob man es weiß oder nicht. Alles wird einfacher und man hat trotzdem keine Zeit. Alles wird billiger, nur der Preis davon unbezahlbar. Die Gesellschaft in Summe immer reicher, wovon immer weniger etwas haben. Puh, spannende Zeiten könnte man sagen, als hartnäckiger Optimist. Das, was aus dem Boden herausgeholt (liebevoll formuliert, was dem Herausholen eher weniger entspricht) wird, steigt pro Hektar weiter an – während diese immer weniger werden, erodieren, verwüsten, verdichtet, vergiftet werden. Was hier an Mehr erwirtschaftet wird, landet andernsorts im Müll. Egal, kostet ja nicht viel. Nein, wirklich nicht, nur einen Planeten. Heidernei, es gäbe Korrekturbedarf – oder, wie Aicher sagen würde, den Bedarf an besseren Entwürfen, an besserem Design. Und das nicht als Verpackung des Alten.