An
der
A7

Eine neue »touristische Unterrichtungs­tafel« (bei schlechtem Wetter und viel Verkehr)

So ähnlich heißen die braunen, mittlerweile auch beinahe epidemisch sich vermehrenden Schilder an den bundesdeutschen Autobahnen – so sie nicht von den endlosen Kolonnen täglich mehr werdender Lastzüge verdeckt werden oder man durch vorbeischießende bzw. einem bedrohlich auffahrenden mit Lichthupen begleiteten Monster-SUV und einem höhnischen »E« auf dem Kennzeichen abgelenkt wird. Ist beides nicht der Fall, kann man sich in der Tat in Ruhe ein wenig belehren und unterhalten lassen von den themenreichen gnadenlos braunen Tafeln.

mit der
UTOPIA
toolbox

»Who cares!« – im tim in Augsburg

Eine gute Frage: Who cares? Und daran anschließend, wie das bezahlt wird, das Pflegen, Versorgen, Unterhalten … also all das, was man so technokratisch »Reproduktionsarbeit« nennt und in der Politik gerne übersehen wird. Systemrelevanz hatte sich ja spätestens mit Corona neu sortiert – oder ist deutlich sichtbar geworden. Der Applaus war natürlich nett, für all die Kassiererinnen, Pflegerinnen … nur kann man davon, wenn überhaupt, nur kurz abbeißen. Business as usual allerdings ist eine Kernkompetenz des Kapitalismus – und der vergisst ohnehin gerne und schnell. All seine Folgen und was zu deren Behebung in Sonntagsreden marketing- und pressewirksam dahin gesagt wird. Naja.

Im »tim« in Augsburg widmet sich jedenfalls eine Ausstellung diesem (großen) Thema, dort eingebunden ist die »UTOPIA TOOLBOX« rund um Juliane Stiegele. Sie und die Kollaborateure der roten Box werden dort für das nächste halbe Jahr Quartier beziehen – und die designgruppe koop ein kleiner Teil des Ganzen sein.

1700
jüdisches
Leben …

Temporäre Informationen im Fränkischen Freilandmuseum

Der Aufbau einer Synagoge aus Allersheim (Eröffnung in 2023) ist eines der großen und überaus anspruchsvollen, aufwändigen Projekte des Fränkischen Freilandmuseums in Bad Windsheim. Experten-Colloquien, umfassende und international angelegte Forschungsarbeiten, intensive Bauforschung und vieles mehr laufen bereits seit 2019.

Spannend aber ist auch, wie viele Beziehungen die anderen Gebäude im Museum zum Judentum haben. Diese sichtbar zu machen und bestimmte spezifische Themen in einer Verortung darzustellen, war und ist die Aufgabe von 43 Informationstafeln – sie sind zudem Teil des großangelegten Festjahres »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland«. Sie sollen für einige Monate informieren, ins Bewusstsein holen, kontextualisieren und bereichern. Wie aber legt man ein solches zwar temporäres, aber maximal bewittertes Medium an? Wir haben uns für preiswerte, stabile und eben nachwachsende Sperrholzplatten entschieden. Die stehen in U-Profilen und werden damit im Boden fixiert. Darauf dann ein Digitaldruck. Allerdings war das bisherige Wetter wenig gnädig mit allem, was nicht niet- und nagelfest war – oder gut schwimmen konnte. Armes Mittelfranken, Jahre mit Trockenheit und dann die Sintflut. Kein Spaß.

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Arthur-
Zelger-
Preis

Jury-Sitzung auf die Ferne

Irgendwann hat man jetzt dann alles durch: digitale Vorstellungsgespräche, Vorträge, Diskussionen, Präsentationen und Jury-Sitzungen. Hier für den nächsten »Arthur-Zelger-Preis«. Lustig nicht nur, wie man sich an dieses Format (und das Reden mit seinem Monitor) gewöhnt hat, sondern auch an diese Bilder davon. Verraten werden darf natürlich noch nichts, aber am 30. Juni ist in Innsbruck die Verleihung. Mit einer schönen kleinen Veranstaltung. Seit langem wieder. Wahrscheinlich … Respekt auch (und wieder) vor dem WEISSRAUM für die Initiative und Organisation, aber gleichermaßen vor der Tirol Werbung und der Landesregierung, dass sie dieses Thema Ernst nehmen und sich so dafür engagieren.

PAGE
Inter-
view

Nachhaltigkeit und Design

Hier das Interview aus der PAGE Ausgabe 06.21

Für Andreas Koop, Gründer von designgruppe koop in Marktoberdorf, ist die nachhaltige Ausrichtung seines Büros weniger strategische Überlegung als vielmehr persönliche Überzeugung. 


Wie definieren Sie für Ihr Büro das Thema Nachhaltigkeit? 
Andreas Koop: Es geht darum, die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit, Ökonomie, Gesellschaft und Ökologie, bestmöglich auszutarieren. Nachhaltigkeit beginnt nicht bei Recyclingpapier und grünem Strom und endet erst recht nicht dort. Den gleichen Mist mit Ökostrom zu produzieren und in Kartons aus Altpapier zu verschicken macht nicht viel Unterschied. Es wäre die zentrale Aufgabe von Politik und Gesellschaft, den Primat der Ökonomie zu brechen. Leider fehlt in der Regierung – als rahmensetzende, höchste Ebene – dazu jede Motivation, Kompetenz, Konsequenz und Fantasie. So ist jeder Einzelne gefordert, das Seine zu tun. Egal, ob unbequem, anstrengend oder sonst etwas. 

Was können Kreative tun? 
Wir versuchen bei unseren Gestaltungsaufgaben immer, alle drei Nachhaltigkeitsdimensionen auf den Tisch zu bringen und zu diskutieren, Chancen darin zu sehen und das Ganze im Blick zu haben. Ein weiterer, gerne vergessener Aspekt von Nachhaltigkeit ist übrigens Barrierefreiheit. Barrieren abzubauen ist eine wahrlich gesellschaftsrelevante Aufgabe. 

Gehen die Kunden den von Ihnen eingeschlagenen Weg mit? 
Ja, es gibt einige, die froh sind, wenn man kritisch hinterfragt – aber auch konstruktiv Vorschläge einbringt. Das geht mal schneller, mal langsamer, aber es geht. Wir müssen den richtigen Zeitpunkt erwischen und darauf achten, nicht asketisch-ideologisch-starr aufzutreten, aber uns auch nicht allzu sehr zu verbiegen. Was es braucht, ist gegenseitigen Respekt. Wenn es nicht passt, kann Geld kein Ersatz dafür sein. 

Aber Geld verdienen müssen Sie ja auch. 
Geld ist eine schöne und praktische Sache, aber eben Mittel, nicht Zweck. Mir ging es nie darum, mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Geld zu verdienen. Ebenso sehe ich Wachstum als eventuelle Folge, nicht als (Selbst-)Zweck – diese Haltung vertrete ich auch bei Beratungsmandaten. Mir ist der Zen-Buddhismus näher als die Betriebswirtschaftslehre. 


Dann werden ja einige Unternehmen oder Marken für Sie als Kunden nicht infrage kommen. Wo ziehen Sie die Grenze? 
Da gibt es für uns eine einfache Regel: Wenn wir die Produkte und Dienstleistungen eines Kunden selbst gerne essen, verschenken, fahren, ausleihen, kaufen, darauf sitzen … würden, wollen wir auch gerne für ihn arbeiten. 


Ist es wirklich so einfach? 
Im Prinzip schon. Natürlich bin auch ich froh, dass es so etwas wie Aspirin gibt. Aber das heißt ja nicht, dass ich für die Chemieindustrie gestalterisch und beratend tätig sein muss. Ich möchte meine Zeit und meine Energie für Kunden nutzen, die selbst ehrlich und redlich arbeiten und mehr als ihren eigenen Erfolg vor Augen haben. Wo eben die Worte nicht immer größer sind als die Taten. 


Aber ist es denn nicht sinnvoll, dass Kreative auch andere Unternehmen in ihren Nachhaltigkeitsbemühungen unterstützen? 
Bestimmte Branchen und Werte schließen sich praktisch aus. Bei Chemiekonzernen, die Pestizide produzieren, hilft auch kein Nachhaltigkeitsbericht. Oder die Lufthansa: Als AG ist sie per Gesetz dem Wohl der Aktionäre verpflichtet, nicht dem der Umwelt. Ein Mehr an Ertrag und Gewinn wird nur über ein Mehr an Fliegenden erreicht. Eine Farce sind unsere Automobilhersteller, die sich mit Nachhaltigkeitssprüchen überbieten und ihr Geld mit absurden SUVs verdienen. 


Viele Nachhaltigkeitsinitiativen von Unternehmen sind inzwischen durchaus ernsthaft. Wie kann man als Gestalter die erkennen, die trotz allem Greenwashing betreiben? 
Ich denke nicht, dass viele Unternehmen den Aspekt Nachhaltigkeit wirklich ernst nehmen und in der Konsequenz dafür auf Wachstum und Gewinn verzichten. Insofern behaupte ich, es gibt ein paar weiße Schafe in einer riesigen schwarzen Herde. Verbogenes, wohl kalkuliertes Marketing zu erkennen ist im Grunde für niemanden allzu schwer. Genau wie jeder weiß, der es wissen will, welche Konsequenzen es hat, wenn ein Kilo Fleisch zwei Euro kostet. 


Könnte die Verpflichtung zu mehr Transparenz aufseiten der Unternehmen Abhilfe schaffen? 
Transparenz ist weder Allheilmittel noch ein wirklich anzustrebendes Ziel – es ist ein leider notwendiger Ersatz für fehlendes Vertrauen. Sie möchten Ihrem Mann (Ihren Mitarbeitern, Freunden …) doch auch lieber vertrauen und nicht alle seine E-Mails, SMS, Webverläufe und Navi-Einträge dauernd einsehbar haben. Transparenz braucht es in einer Welt, in der – wie in der Politik offenbar der Fall – alle mehr an sich denken als an die anderen. Ich erwarte und erhoffe mir von meinen Kunden Ehrlichkeit und Vertrauen. Was sie von mir auch erwarten können. Das ist jenseits von Marketing und Governance. 

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Irgend etwas passt da nicht mehr

Tja, es ist so eine Sache mit den technischen Möglichkeiten – und der Natur. Auch die der Menschen. Die halt über eine allzu lange Zeit entstand und alleine in den letzten zwei Jahrzehnten quasi überrollt und überrannt wurde. Weil so viel geht. Technisch zumindest. Hochleistungs-Computer in der Hosentasche, Sensoren die nichts mehr kosten und alles können – plus der Zusammenführung dieser Daten. Ob man will oder nicht, ob man es weiß oder nicht. Alles wird einfacher und man hat trotzdem keine Zeit. Alles wird billiger, nur der Preis davon unbezahlbar. Die Gesellschaft in Summe immer reicher, wovon immer weniger etwas haben. Puh, spannende Zeiten könnte man sagen, als hartnäckiger Optimist. Das, was aus dem Boden herausgeholt (liebevoll formuliert, was dem Herausholen eher weniger entspricht) wird, steigt pro Hektar weiter an – während diese immer weniger werden, erodieren, verwüsten, verdichtet, vergiftet werden. Was hier an Mehr erwirtschaftet wird, landet andernsorts im Müll. Egal, kostet ja nicht viel. Nein, wirklich nicht, nur einen Planeten. Heidernei, es gäbe Korrekturbedarf – oder, wie Aicher sagen würde, den Bedarf an besseren Entwürfen, an besserem Design. Und das nicht als Verpackung des Alten.